Die folgenden Wochen in Antananarivo verliefen wie in einem Nebel. Ich arbeitete, traf Ennemiah, manchmal allein, manchmal mit ihrer Familie. Aber alles fühlte sich fern an, als würde ich mein eigenes Leben durch eine beschlagene Scheibe beobachten. Die Nächte in Ambatolampy kehrten immer wieder in meine Gedanken zurück, vor allem jene letzte, in der alles gekippt war. Ich ertappte mich dabei, jede Empfindung, jedes Gefühl zu analysieren. War es echt? Oder hatte mein Geist, erschöpft von Entfernung, Hitze und Schuld, diese absolute Überschreitung erfunden?
Ich sprach mit niemandem darüber. Nicht einmal mit Ennemiah, die mich weiterhin mit derselben besitzergreifenden Zärtlichkeit ansah, als wäre jene Nacht nur ein natürlicher Abschnitt unserer Geschichte gewesen. Lala küsste mich auf die Wangen mit gesteigerter Wärme, Tahina drückte mir die Hand etwas fester. Und ich lächelte, spielte mit, aber innerlich kämpfte ich.
Ende Januar rief mich die Zentrale nach Paris zurück. Die Tochtergesellschaft stand auf soliden Beinen, die Einstellungen waren weit fortgeschritten, der Start für den Frühling geplant. Drei Monate waren wie ein Traum – oder Albtraum, ich wusste es nicht mehr – verflogen.
Der Rückflug startete frühmorgens grau aus Ivato. Ich sah Antananarivo durchs Fenster kleiner werden: rote Dächer, Hügel, Reisfelder. Ennemiah hatte mich zum Flughafen begleitet. Sie küsste mich lange und tief hinter einer Säule, Tränen in den Augen.
„Du kommst zurück, oder?“ flüsterte sie.
Ich versprach es. Ohne zu wissen, ob ich das Versprechen halten würde.
Elf Stunden später landete ich in Roissy unter einem tiefen, kalten Himmel. Meine Frau wartete hinter den Türen, genau wie vor drei Monaten, doch diesmal kam ich an. Sie sprang mir um den Hals, drückte mich fest, küsste mich, als wäre ich jahrelang fort gewesen. Ihre Haare rochen nach demselben Shampoo wie früher, ihre Haut nach demselben dezenten Parfüm. Alles war vertraut, beruhigend, real.
Im Auto auf der Autobahn redete sie ununterbrochen: die Kinder, das Haus, die Nachbarn, der ungewöhnlich kalte Winter. Ich nickte, lächelte, stellte Fragen. Aber innerlich war ich woanders. Ich betrachtete ihre Hände am Lenkrad, ihre bewegten Lippen und fragte mich, ob alles, was ich in Madagaskar erlebt hatte, nur ein zu lebhafter Traum gewesen war.
Die folgenden Tage verstärkten diesen Zweifel. Jetlag, die Rückkehr zur Routine, das Pariser Büro, Meetings auf Französisch, die überfüllte Metro. Nichts schien sich verändert zu haben. Außer mir.
Und dann der Abend, an dem wir allein in unserem Schlafzimmer waren.
Sie hatte ein einfaches Abendessen vorbereitet, ein Kleid angezogen, von dem sie wusste, dass ich es liebte, Kerzen angezündet. Wir tranken Wein, lachten über alte Erinnerungen. Als wir nach oben gingen, nahm sie mich mit unendlicher Zärtlichkeit in die Arme.
„Du hast mir so sehr gefehlt“, murmelte sie und küsste mich.
Ich erwiderte den Kuss, stärker, länger als sonst. Meine Hände fanden ihren Körper wieder wie einen vertrauten Weg, aber mit neuer, fast gewalttätiger Dringlichkeit. Ich zog sie langsam aus, entdeckte ihre hellere, weichere Haut als die von Ennemiah, ihre runderen, reiferen Formen. Sie stöhnte, als ich sie berührte, überrascht von meiner Heftigkeit.
Ich nahm sie wie nie zuvor.
Nicht mit der gewohnten Zärtlichkeit alter Paare, sondern mit roher, animalischer Leidenschaft. Zuerst drückte ich sie gegen die Wand, dann aufs Bett, drang tief in sie ein, ohne zu warten, als wollte ich alles andere auslöschen. Sie keuchte, klammerte sich an mich, überrascht und erregt zugleich.
„Was ist mit dir los?“ hauchte sie zwischen zwei Stöhnen.
Ich antwortete nicht. Ich fickte sie härter, schneller, Hände überall auf ihr, Mund an ihren Brüsten, ihrem Hals, ihren Lippen. Ich drehte sie um, nahm sie von hinten – etwas, das wir selten taten. Sie schrie fast, Nägel in meinem Rücken. Als sie kam, stark, lange, ihr Körper zitternd unter meinem, machte ich weiter, unersättlich.
Und als ich an der Reihe war, war es gewalttätig, befreiend. Ich entlud mich in ihr mit einem Knurren, das ich nicht zurückhalten konnte, als würde ich Dämonen austreiben.
Danach lagen wir verschlungen da, verschwitzt, atemlos. Sie streichelte mein Gesicht, ein staunendes Lächeln auf den Lippen.
„Wow… wenn Einsätze in Madagaskar das mit dir machen, kannst du jederzeit wieder hin.“
Ich lachte, ein etwas gezwungenes Lachen. Sie schlief an mich geschmiegt ein, friedlich.
Ich blieb lange wach.
Ich starrte an die Decke unseres Schlafzimmers, so anders als die in Ambatolampy oder in der Residenz in Tana.
Ich wusste immer noch nicht, ob ich alles nur geträumt hatte.
Oder ob ich einfach ein anderer geworden war.